Raphaela Vogel landet mit ihrer ersten Einzelausstellung in Belgien im Z33
Vom 4. Oktober 2026 bis 21. Februar 2027
im Z33, Hasselt.

Hasselt, 30. September 2026 – Ab dem 4. Oktober 2026 ist im Z33 die Ausstellung De mens is geen vogel der deutschen Künstlerin Raphaela Vogel (*1988, Nürnberg) zu entdecken. Die Besucherinnen und Besucher bewegen sich an den Tränen eines riesigen weinenden Auges vorbei, begegnen dem Kopf eines antiken Springpferds, der von Lautsprechern und Kabeln durchbohrt ist, und sehen fünf Bronzedinosaurier rund um ein riesiges hängendes Fragezeichen. In zehn großen Installationen treffen Video, Skulptur, Malerei und Klang aufeinander. So erschafft Vogel eine Welt, die man nicht nur betrachtet, sondern auch körperlich erfährt.
Vogel wurde international mit ihren immersiven Videoinstallationen bekannt. Darin kombiniert sie unter anderem Drohnen, 360-Grad-Selfiesticks und 3D-Scanner mit Skulptur, Klang und Performance. Die Künstlerin tritt selbst als Hauptfigur in ihren Werken auf, oft begleitet von hypnotischen Soundtracks und Gesangsperformances.
Mit trockenem Humor bringt Vogel den anarchischen Geist des Punkrock in ihren theatralischen, alles vereinnahmenden Installationen zum Ausdruck. Beim Gang durch die Räume fallen wiederkehrende Themen, Symbole und Motive auf – etwa Tiere, Weiblichkeit, Musik und Klang, Architektur und öffentlicher Raum, Populärkultur und Technologie.
Vogel arbeitet nicht mit erzählerischen Strukturen, sondern mit gegensätzlichen Kräften: Monumentalität und Verletzlichkeit, das Technische und das Körperliche, Humor und Angst, Banalität und Mythos. Dieser Kontrast zeigt sich auch im Erleben der Werke: Anziehung und Abstoßung, Vergnügen und Unbehagen gehen oft Hand in Hand. Gerade in diesen Gegensätzen fliegen Funken, zirpen Grillen, strömt Blut, dröhnen Flugzeuge, heulen Sirenen und fließen Tränen.
"Ich weiß nicht, ob es an meiner beträchtlichen Verdorbenheit oder an der Weite meines Herzens liegt, dass ich alles lieben kann.“ – Raphaela Vogel, Künstlerin
Vogels Kunstwerke erschaffen eine eigene Welt, die nicht losgelöst von der Wirklichkeit ist. Sie vergrößert und verzerrt diese Wirklichkeit, setzt sie unter Druck und macht so die Komplexität und die Widersprüche des heutigen Lebens sichtbar.
Ein weinendes Auge: eigens für das Z33 geschaffen
Blickfang der Ausstellung ist Stets blieb ich fest, ein monumentales Auge, das Vogel eigens für das Z33 geschaffen hat. Das fast zwei Meter breite anatomische Auge ist von Dutzenden Tränen umgeben, jede mit einer farbigen LED-Leuchte und einem Lautsprecher ausgestattet. Inspiriert wurde Vogel von Art-déco-Lampen, die sie in einem Secondhandladen entdeckte und die sie an riesige Tränen erinnerten. Die Besucherinnen und Besucher gehen mitten durch das Werk hindurch und blicken aus dessen Mitte zur Iris hinauf, während Licht und Klang in einem von Vogel selbst komponierten und eingesungenen Soundtrack aufeinander reagieren. Das Werk lebt von einem starken Kontrast: Das anatomische Auge strahlt Kraft und Allwissenheit aus, während die Tränen zugleich ein Gefühl von Verletzlichkeit hervorrufen.
"Stets blieb ich fest zeigt sofort, wie Raphaela Vogel arbeitet. Sie nimmt etwas Vertrautes und macht es zugleich fremd und unerwartet. Das Auge schaut uns an, wir schauen zurück, während Licht und Klang uns buchstäblich umhüllen. Diese Spannung zwischen Anziehung und Unbehagen zieht sich durch die gesamte Ausstellung.“ – Kevin Gallagher, Kurator
Vom Springpferd zur verborgenen Geschichte
Vogel verbindet in ihren Werken unerwartete Bilder und Geschichten. In Kopfschuss durchbohren blutrote Spritzer aus Lautsprechern und Kabeln den Kopf eines antiken Springpferds, während sich Grillenzirpen mit der Fanhymne von Borussia Dortmund vermischt, die auf Go West von den Village People basiert. In Found Subject taucht sie in die verborgene Geschichte ihres eigenen Hauses ein, in dem sich der deutsch-jüdische Schriftsteller und Komponist Erich Hopp während der NS-Zeit drei Jahre lang versteckt hielt. Im Video liest Vogel aus einem Psalmenbuch vor, das Hopp in dieser Zeit schrieb – so verbinden sich Vergangenheit und Gegenwart des Hauses.
Auch No tengo preguntas, solo respuestas bringt verschiedene Welten zusammen. Fünf Bronzedinosaurier stehen um ein riesiges hängendes Fragezeichen, während Vogel eine Coverversion von 96 Tears singt – dem allerersten Song, der als „Punk“ bezeichnet wurde. Die dazugehörigen Gemälde verbinden die Musik mit Bildern fahrender Züge und dem Anbruch eines neuen Zeitalters der Industrialisierung und Modernisierung.
Raphaela Vogel, Stets blieb ich fest, 2026. Installation view in Kunstenhuis Z33, Hasselt. Commissioned by Z33. Courtesy the artist and BQ, Berlin. Photo: Lola Pertsowsky.
Raphaela Vogel, Kopfschuss, 2018. Installation view in Kunstenhuis Z33, Hasselt. Courtesy the artist and BQ, Berlin. Photo: Lola Pertsowsky.
Raphaela Vogel, International Comparison, 2024. Installation view in Kunstenhuis Z33, Hasselt. Courtesy the artist and BQ, Berlin. Photo: Lola Pertsowsky.
Raphaela Vogel, Ab jetzt wird durchgeblüt: Music for Anreiner of Airports, 2025. Installation view in Kunstenhuis Z33, Hasselt. Courtesy the artist and BQ, Berlin. Photo: Lola Pertsowsky.
Raphaela Vogel, Stets blieb ich fest, 2026. Installation view in Kunstenhuis Z33, Hasselt. Commissioned by Z33. Courtesy the artist and BQ, Berlin. Photo: Lola Pertsowsky.
Installation view of Raphaela Vogel De mens is geen vogel at Kunstenhuis Z33, Hasselt. Courtesy the artist, Wendy Gondeln and BQ, Berlin. Photo: Lola Pertsowsky.
Installation view of Raphaela Vogel De mens is geen vogel at Kunstenhuis Z33, Hasselt. Courtesy the artist and BQ, Berlin. Photo: Lola Pertsowsky.Praktische Informationen
Ausstellung: Raphaela Vogel, De mens is geen vogel
Ort: Z33, Haus für aktuelle Kunst, Design & Architektur, Hasselt
Zeitraum: 4. Oktober 2026 bis 21. Februar 2027
Weitere Infos: www.z33.be
Über Raphaela Vogel
Raphaela Vogel (*1988, Nürnberg, DE) lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte an der Städelschule in Frankfurt am Main und an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Von 2014 bis 2016 war sie Artist in Residence bei De Ateliers in Amsterdam.
Vogel stellt regelmäßig international aus, zuletzt mit Einzelausstellungen im Museo Tamayo, Mexiko-Stadt (2025), in der Petzel Gallery, New York (2024), im Museum De Pont, Tilburg (2023), im Kunsthaus Bregenz (2019), im Haus der Kunst, München (2019), und in der Berlinischen Galerie, Berlin (2018). 2022 nahm Vogel an der von Cecilia Alemani kuratierten Ausstellung The Milk of Dreams auf der Biennale von Venedig teil.
Vogels Werke befinden sich in öffentlichen Sammlungen wie De Pont Museum voor Hedendaagse Kunst, Tilburg; Kunsthaus Zürich, Zürich; Lafayette Anticipations, Paris; Leopold-Hoesch-Museum, Düren; Neues Museum Nürnberg; Sammlung Philara, Düsseldorf; Sprengel Museum, Hannover; Museum für Moderne Kunst (MSN), Warschau.
Über Z33
Das Kunstenhuis Z33 ist eine internationale Kunstinstitution in Hasselt, die Kunst von heute präsentiert und mit gesellschaftlichen Themen verknüpft. Z33 beweist, dass Kunst für ein breites Publikum bedeutsam sein kann. Mit einem wechselnden Programm aus Ausstellungen und Veranstaltungen mit Künstlerinnen und Künstlern aus dem In- und Ausland bietet Z33 immer wieder einen besonderen Blick auf das, was die Welt um uns herum bewegt. Auch die einzigartige Gebäudeerweiterung aus dem Jahr 2019, die mit mehreren internationalen Architekturpreisen ausgezeichnet wurde, ist einen Besuch mehr als wert. Am historischen Beginenhof gelegen, bildet Z33 zusammen mit seiner grünen Umgebung einen Ort für Jung und Alt, um Kunst zu entdecken oder einfach eine Weile zu genießen.
Hinweis für die Redaktion – nicht zur Veröffentlichung
Raphaela Vogel und der Kurator der Ausstellung, Kevin Gallagher, stehen für Interviews zur Verfügung. Für Anfragen wenden Sie sich bitte an Mariam.
Mariam Nazaryan




